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H & M: Gebrochene Versprechen

von Rainer Scheffler
MenschenrechtsInitiative Bergstrasse e. V. / MIB

Dies vorweg: auch mir gefallen viele der Klamotten, die die schwedische Textilhandelskette H & M in ihren Filialen oder über Katalog bzw. online anbietet. Das hindert mich aber nicht daran, die überwiegend miserablen Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken der Zulieferer zur Kenntnis zu nehmen, zu kritisieren und persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen, indem ich keine Textilien von H & M kaufe. Wobei sich die Kritik keineswegs nur auf H & M oder Discounter beschränkt. Das INKOTA-Netzwerk samt seinen Partnern Clean Clouthes Campaign, Femnet e. V. u. a. m. weißt vielfach nach, daß auch bei den Herstellern teurer Edelmarken keine fairen Bedingungen herrschen.

Dies alles ist bekannt und sorgte spätestens 2013 mit dem verheerenden Rana Plaza -Unglück in Bangladesh mit über tausend Toten und fast zweitausend Verletzten weltweit für Schlagzeilen. Als Reaktion auf diese Katastrophe und ähnliche Unglücke in China, Pakistan usw. gründete der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller (CSU) 2014 ein „Textilbündnis“. Gerd Müller macht hier einen guten Job. Bei einer Podiumsdiskussion im November 2015 in Frankfurt/Main machte er klar, worum es geht: „Der wahre Preis für die billige Kleidung – das T-Shirt für 2,50 Euro, die Jeans für 9,99 Euro – wird von Arbeiterinnen und Arbeitern in Asien und Lateinamerika gezahlt.“ Und: „Die Jeans, die in der Produktion 3 oder 5 Euro kostet, hängt nachher im Geschäft für 60, 80 oder 100 Euro.“ Angesichts dieser Gewinnspanne hätten die Handelsketten durchaus die Möglichkeit, zu guten Standards produzieren zu lassen.

H & M hat sich aus dem sozialen Konsens des Textilbündnis inzwischen wieder verabschiedet. Am 3. Mai war internationaler H & M -Aktionstag in den USA, Europa und in Bangladesh. Aus gutem Grund. Kurz nach dem Rana Plaza -Unglück unterzeichnete H & M das Abkommen „Accord on Fire and Building Safety“ in Bangladesh, mit dem die Einführung und ständige Kontrolle von Sicherheitsstandards in den Zulieferer-Fabriken festgeschrieben wurden. In einem gemeinsamen Bericht vom Mai 2016 stellen die Organisationen Clean Clothes Campaign, International Labor Rights Forum, Maquila Solidarity Network und Worker Rights Consortium fest, daß auch fast drei Jahre nach dem Abkommen in über der Hälfte der H & M-Zulieferer-Fabriken immer noch gravierende Sicherheitsmängel bestehen.
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