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Biblis Rückbau: Leugnen, Abwiegeln, Verharmlosen

Infoforum Biblis

Betrifft Bericht im BA  26. 11. 2016

von Rainer Scheffler, Bensheim

Die jüngste Sitzung des Informationsforums zum Rückbau der AKW’s in Biblis vom 22. November macht einmal mehr deutlich, welche Funktion dieses offenbar auch von seinen Mitgliedern kaum noch wahrgenommene Gremium (schon die Terminplanung scheint fast unüberwindliche Probleme zu bereiten) von Seiten der Biblis-Betreiberin RWE und des Initiators Hessisches Umweltministerium zu erfüllen hat: der Biblis-Rückbau soll möglichst geräuschlos vorbereitet und nach Erteilung der Stilllegungs- und Abrissgenehmigungen durchgeführt werden. Risiken und Gefahren werden geleugnet, abgewiegelt oder verharmlost.

Nur wenige Tage zuvor führte der BUND Bergstrasse eine Informationsveranstaltung zum Rückbau von Atomkraftwerken mit anschliessender Diskussion durch – und machte deutlich, was „Transparenz und Bürgerbeteiligung“ wirklich bedeutet. Jenes Etikett, dass das „grün“ geführte Hessische Umweltministerium „seinem“ Informationsforum zu Anfang verpasste. Kraftwerksleiter Kemmeter hingegen durfte bei der jüngsten Forumssitzung erneut seine durch keine Studie belegte Behauptung von der „ewigen“ Sicherheit der Castorbehälter wiederholen, räumte allerdings eine „Zulassungsbefristung“ ein, deren Dauer ihm jedoch unbekannt ist. Auch die Sonderbrennstäbe mit „hoher Zerfallsaktivität“ kennt er und offenbar auch die „Kontrollbehörde“ Hessisches Umweltministerium nicht. Wohl, weil das Ministerium es 2010 wenngleich unter Führung des jetzigen Koalitionspartners stillschweigend duldete, dass RWE (und alle anderen Atomkonzerne bundesweit) auch nur schwach abgebrannte Brennelemente auswechselte, um die von schwarz-gelb im Bund ab 2011 eingeführte Brennelemente-Steuer zu sparen. Von den ausgewechselten Brennelementen dürfen aufgrund höherer Zerfallsaktivität weniger als üblich in Castor-Behälter verladen werden. Ein Problem dabei u. a.: es werden mehr Castoren gebraucht als ursprünglich geplant. Zur Zeit stehen etwa 300 Castor-Behälter V19 zur Verfügung, von denen ca. 200 älterer Bauart sind. Nur etwa 40 Behälter erfüllen die aktuellen Bestimmungen der internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Die Produktionskapazität des Castor-Herstellers GNS (eine 100-%ige Tochter der Atomkonzerne) liegt bei jährlich etwa 60 Castoren. Nach Stilllegung aller deutschen Atomkraftwerke 2022 werden mindestens 1900 Castor-Behälter für hochradioaktiven Atommüll benötigt. Und diese Zusammenhänge will man nicht kennen? Wahr ist wohl eher, dass die Verantwortlichen aus Atomindustrie und Politik die Bevölkerung über das gesamte Ausmaß des jetzt deutlich werdenden Atommüll-Desasters weiterhin im Unklaren lassen wollen.
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