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Die Stadt Bensheim: Nur noch Geschäftsmodell und Business Unit

Wem gehört diese Stadt

fotobensheimortseingang„Millionenschwere Investitionen kündigen sich an“ so leitet der Bergsträßer Anzeiger, in der Ausgabe vom 2. Januar 2017, sein Interview mit dem Bensheimer Bürgermeister Rolf Richter ein. Gemeint sind Investitionen für das Bürgerhaus, die Wohnbebauung, die Schulkinderbetreuung, für die Gestaltung des Marktplatzes und natürlich den geplanten Abriss und den Neubau vom Haus am Markt. Auch eine sogenannte Zukunftswerkstatt schlägt zu Buche. Deren Aufgabe bestehe darin, eine Vision für die Innenstadt 2030 zu erarbeiten. Für 75.000 EUR sollen „weiche“ Faktoren“ erarbeitet werden,  wie Marketingkonzepte, gemeinsame Öffnungszeiten und Außenbestuhlung, wie es im Bergsträßer Anzeiger vom 3. Januar heißt. Dies wäre eigentlich ganz sinnvoll, ginge es nicht einmal mehr um die Umsatzsteigerung des Einzelhandels. Statt auf Kreativität, setzt die Kommunalpolitik weiterhin auf eine “Attraktivitätssteigerung“ der Innenstadt, allein für ein zahlungskräftiges Publikum. Die Finanzierung erfolgt durch Verkauf von städtischen Gebäuden und Grundstücken an Investoren. Wie das läuft, wird an der aktuellen Wohnbebauung, dem Bürgerhaus und dem Haus am Markt deutlich.

Wohnbebauung

Wohnen in Bensheim ist teuer. Bauen können dort nur Bessergestellte. Die Mieten sind hoch und besonders in der Innenstadt, gibt es nur wenige Sozialwohnungen. Dies wird sich auch nicht ändern, denn in Zentrumsnähe sollen frühesten ab 2018 lediglich 60 neue Sozialwohnungen gebaut werden. Im Gegensatz dazu entstehen derzeit allein auf dem ehemaligen Gelände der Firma Euler 230 Wohneinheiten zu Preisen von  4.500 €/m². Für Bensheim gibt es übrigens keinen Mietspiegel. Für Bensheim gibt es keine Mietspiegel, da die Erstellung eines solchen der Verwaltung zu teuer ist.

Bürgerhaus

Seit  Jahrzehnten wurde nichts für die Instandhaltung und Modernisierung des Gebäudes getan. Die Stadt hat kein Interesse, denn es ist für Investoren und Pächter uninteressant. Was mit der bestehenden Immobilie geschehen wird ist unklar. Vorsorglich hat der Bürgermeister, bezüglich einer Sanierung, auf eine finanzielle „Schmerzgrenze“ hingewiesen. Vielleicht wird  das Gebäude aus den 1970er Jahren verrotten und irgendwann abgerissen. Da der Platz zentral gelegen ist, wird sich dann sicher ein Investor finden lassen.

Haus am Markt

Ein neues Haus am Markt für H&M will die Mehrheit im Rathaus, weil es die Kaufleute wollen.

Die Innenstadt als Business Unit

An vielen Stellen besteht die Innenstadt nur noch aus Business Units. Nur Betuchte können dort bauen oder eine Wohnung kaufen. Viele Einrichtungen wurden nach außen verlagert. Zuletzt  die Bensheimer Tafel. Bei den vielen, zeitweise fast wöchentlich stattfindenden, Events in der Fußgängerzone soll Armut nicht sichtbar sein. Ereignisse wie verkaufsoffene Sonntage oder Nightshopping finden alleine für kaufkraftstarke und privilegierte Zielgruppen statt. Das innerstädtische Leben reduziert sich immer mehr auf die Wünsche und Inhalte der vorgenannten Gruppen, die damit gleichzeitig eine gemeinsame Gestaltung der Stadt behindern.

Wem gehört die Stadt?

Doch Bensheim gehört uns allen. Wir haben ein Recht auf gemeinsame Gestaltung und Teilhabe. Die Gestaltung darf nicht länger den zahlungskräftigen Interessengruppen überlassen werden, deren Wünsche von den jeweiligen Mehrheiten im Stadtparlament umgesetzt werden.

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