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Kaum Fortschritte beim „Textilbündnis“

Kurzfristig keine besseren Arbeitsbedingungen

von Rainer Scheffler

Als Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) 2014 nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Dhaka/Bangladesh mit über 1.000 Toten und Verletzten ein Textilbündnis gründete, zu dem inzwischen nach anfänglichem Zögern auch Aldi, C&A, Addidas, Hugo Boss, Primark und H&M gehören, hofften viele auf eine schnelle Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen und Textilarbeitern. Bis heute reicht der staatlich festgelegte Mindestlohn weder in Bangladesh noch in China, Pakistan oder Indien, wo die Textilketten fertigen lassen, dazu, den tatsächlichen Lebensunterhalt der Betroffenen zu decken, geschweige denn Arzt- und Schulbesuche zu finanzieren.„Jetzt werden sog. Roadmaps, Pläne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Zulieferfabriken der Textilbündnis-Mitglieder, zu denen sie sich 2014 freiwillig verpflichtet hatten, von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Beratungsfirmen überprüft“, schreibt die MenschenrechtsInitiative Bergstrasse e. V. /MIB, die über das international aktive Inkota-Netzwerk mit weiteren Partnerorganisationen verbunden ist. MIB-Sprecher Rainer Scheffler sieht beim Roadmap-Verfahren ein zentrales Problem: „Es fehlt an Transparenz, weil die Veröffentlichung den Beteiligten freigestellt ist.“ So will etwa eine der größten Textilketten, H&M, seinen Arbeitsplan derzeit nicht veröffentlichen, gab aber bereits im vergangenen Jahr bekannt, dass ab 2018 die Hälfte aller H&M-Zulieferer (insgesamt über 750 Fabriken) ihren Beschäftigten „existenzsichernde Löhne“ zahlen sollen.

Die MIB, die gemeinsam mit dem DGB Bensheim in jüngster Zeit mehrere Veranstaltungen zum Thema durchgeführt hat, ist angesichts derartiger Absichtserklärungen skeptisch: „Als Ende 2016 in Ashulia/Bangladesh Textilarbeiter aus Fabriken, die auch für Zara, GAP und H&M produzieren, für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen streikten, wurden sie von der Polizei verhaftet und verloren ihren Arbeitsplatz, ohne dass die Textilketten bei ihren Zulieferfabriken zugunsten der Betroffenen intervenierten.“
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